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Der Maßschuh ist tot? von Mechthild Dubbi (2019)

Vielen Dank für diese Präsentation unserer Schuhe

Der Maßschuh ist tot?

Der Maßschuh ist tot? Es lebe der Maßschuh!

Haben Sie „ägyptische“, „griechische“ oder „römische“ Füße? Beim ägyptischen Fuß ist die zweite Zehe kürzer als die große Zehe; beim griechischen Fuß ist die zweite Zehe länger als die große; beim römischen Fuß sind zweite und große Zehe gleich lang. Die Begriffe lassen sich auf die unterschiedlichen bildlichen Darstellungen der Antike zurückführen. Abgesehen von diesen drei Fußtypen ist ohnehin jeder Fuß individuell, denn kein Fuß ist wie ein anderer. Die wenigsten von uns tragen jedoch maßgefertigte Schuhe oder maßgeschneidertes Gewand. Denn wir kaufen von der Stange, aus Regalen oder aus Schuhschachteln, in mehr oder weniger passenden Konfektions- und Schuhgrößen. Nicht immer „sitzt“ das, was wir am Körper tragen, richtig. Das war vor den Zeiten der Konfektion, bis weit ins 19. Jahrhundert, genau umgekehrt. Kleiderpuppe und Schuhleisten waren einst die Speichermedien der Informationen zur Herstellung des Maßproduktes. Die maßgefertigten Schuhleisten aus Holz wurden und werden auch heute noch im Archiv gelagert, nicht nur als Datenspeicher, sondern als dreidimensionale Objekte, als hölzerne Ersatzfüße, auf die jederzeit zur Anfertigung zurückgegriffen werden kann. Erst die Entwicklung von der Maßanfertigung hin zur Serienfertigung in größeren Stückzahlen und die Einführung genormter Konfektionsgrößen erlaubte eine zunehmende Massenproduktion an Kleidungsstücken und Schuhwerk. Seit einiger Zeit steigt die Nachfrage nach individuell gefertigten Einzelstücken. Das Ziel für die Zukunft lautet: massenhaft maßgeschneiderte Produkte für alle, zu einem leistbaren Preis. Der 3D-Druck soll zur Erreichung dieses Ziels beitragen.

„Losgröße 1“ ist eines der Schlagworte des digitalen Industriezeitalters. Der Begriff bezeichnet die Menge von Produkten, die pro Fertigungsauftrag (Los) hergestellt werden. Jeder maßgefertigte Gegenstand ist als Unikat eine Losgröße 1. Ein Produkt individualisiert herzustellen, ist zunächst einmal nichts anderes als etwa der Maßschuh mit dem nur ihm eigenen Schuhleisten. Der Unterschied der neuen „Losgröße 1“ ist jedoch, dass diese massenhaft produzierbar sind. Das bedeutet, Maßschuhe für immer mehr Menschen, und zwar – so das ambitionierte Ziel – zu einem Preis, der jenen der Konfektion von der Stange nicht oder nur unwesentlich übersteigt. Kleine Stückzahlen bringen bislang jedoch eine Verteuerung der Produkte mit sich. Für die Produzenten heißt das, die Kosten für eine individuierte Produktion so weit zu senken, dass sie jeden kundenspezifischen Wunsch ohne Mehraufwand und Mehrkosten erfüllen können. Prinzipiell kann ein Produkt auf die unterschiedlichsten Arten individualisiert werden. Als Beispiel für die praktizierte Losgröße 1 mag hier die Automobilindustrie dienen, die in diesem Sektor als Vorreiter fungierte. Das Auto, das sich bis auf die unverkennbare Karosserie, die den Autotyp zum Typ macht, wie aus einem Modulbaukasten zusammenstellen lässt: Lackierung,

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Polster und sonstige Innenausstattung, Felgen, elektronische Ausstattung usw., durch die freie Auswahl einer ganzen Reihe an Komponenten lässt sich ein Automobil auf die Nutzerin und den Nutzer weitestgehend maßschneidern. Auch ein Fotobuch ist ein Produkt der Losgröße 1. Wer jemals seine schönsten Fotos mittels der Software eines Anbieters seiner Wahl zu einem Fotobuch zusammengestellt hat, um dieses von eben jenem Anbieter ausdrucken und binden, also zu einem ansprechenden Buch fertigstellen zu lassen, der hält mit dem fertigen Fotobuch ein Unikat in Händen. Denn es ist individuell und einmalig. Nun ist es relativ unaufwendig und mit keinen Rüstzeiten und -kosten verbunden, mit immer gleichen Arbeitsabläufen lediglich andere (Foto)Inhalte zu individuierten Produkten zu verarbeiten. Anders schaut es aus, wenn es um maßgeschneiderte Produkte geht, die eine bestimmte, einmalige Passform benötigen. Denn dann muss zunächst ein perfektes Modell erstellt und Maschinen müssen unter Umständen umgerüstet werden, um den Kundenwunsch zu erfüllen. Das führt uns wieder zum Maßschuh zurück. „Schuster bleib bei deinen Leisten“, diese Redewendung ist auch in heutiger Zeit, in der maßgefertigtes Schuhwerk eher die Ausnahme statt die Regel ist, durchaus bekannt, auch wenn es im übertragenen Sinne gemeint ist, die eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten nicht zu überschreiten. Der handgefertigte Schuhleisten war – und ist es heute noch – das Maß aller Dinge, wenn es um die Anfertigung von Maßschuhen geht. Damit dieser wie angegossen sitzt, ist eine ganze Reihe von Messungen und Erhebungen erforderlich: Länge und Breite sowie Umriss und Umfang des Fußes werden erhoben und ein Fußabdruck wird erstellt. Alle Daten fließen in die Arbeit des Leistenbauers ein, der aus Holz eine originalgetreue Kopie des menschlichen Fußes anfertigt. Das ist ein aufwendiger und vielteiliger Arbeitsprozess, bei dem die Vorarbeiten mechanisch, die Feinarbeiten in mühevoller Handarbeit ausgeführt werden. Das obige Sprichwort lässt sich heute mit neuem Inhalt füllen, der sich wieder auf das alte Handwerk bezieht. Der gute alte Schuhleisten, der die Informatio en zum maßgeschneiderten Schuh trägt, wird durch ein anderes Speichermedium ersetzt: den 3D-Scan. Dieser erspart das aufwendige Ausmessen des Fußes und liefert eine digitale dreidimensionale Form, die verschiedene Funktionen übernehmen kann. In der Orthopädie etwa kommt die 3D-CAD/CAM-Technologie für die Leistenherstellung bereits zum Einsatz. Die digitale Form des Fußes ersetzt zum Beispiel die früher üblichen Gipsabdrücke und dient als Vorlage für nach wie vor konventionell gefertigte Holz- oder auch 3D-gedruckte Silikon-Schuhleisten. Der Sportartikelherst ller Adidas hat vorgezeigt, in welche Richtung die Reise der Losgröße 1 gehen könn- te. Nicht nur der Schuhleisten hat nun – bei gleicher Funktion – seine Form geändert, Hand in Hand damit ging auch eine völlig neue Produktionste hnik. „Adidas kommt erstmals mit 3D-Laufschuh auf den Markt“, so titelte die österreichische Tageszeitung „Die Presse“ im Dezember 2016. Der erste „3D-Runner“ in limitierter Auflage war in einer 3D-Netzstruktur im additiven Verfahren hergestellt. Eine maßgeschneiderte Losgröße 1 war er – trotz des stolzen Preises von 333 US-Dollar – jedoch nicht. Das Online-Magazin „WIRED“ veröffentlichte nur drei Tage später einen Testbericht. Die interessanteste Aussage findet sich im letzten Absatz. Das Wichtigste an diesem Schuh sei das, was er verspricht. Steigende Druckgeschwindigkeiten und fallende Preise würden zu einer zunehmenden Personalisierung führen, so die Prognose. „Wenn die richtige Technologie dazu entwickelt wird, ist es denkbar, dass irgendwann ein Kunde in einen Laden geht, aufs Laufband steigt und ein paar Stunden später Laufschuhe abholen kann, die genau auf seine Füße abgestimmt sin .“ Die Tatsache, dass dieser kurze Bericht unter der Rubrik „Gadgets“ zu finden ist, spricht eher dafür, dass es sich zur Zeit noch um eine technische Spielerei handelt.

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Der Gedanke ist verlockend, die Technologie vielversprechend. Einige Hersteller sind auf den Trend aufgesprungen und bieten Schuhe aus dem 3D-Drucker an. Die Vielfalt an Modellen und Farben ist durchaus beeindruckend. Maßgefertigt sind sie jedoch nicht. Das Unternehmen 3D-Shoes etwa formuliert ganz klare Ziele: „3DShoes.com is laser-focused on disrupting the traditional shoe industry.“ Diese Aussage ist umso erstaunlicher, als der Terminus der disruptiv n Technologien durchaus auch negativ besetzt ist, im Sinne von Zerstörung von Arbeitsplätzen. Geboten werden neben fertigen 3D-gedruckten Schuhen auch Downloads digitaler Formen zum Ausdrucken des eigenen Schuhwerks. So ist etwa der hier abgebildete Stiletto entstanden. Auch hier kommt einem der Begriff „Gadget“ in den Sinn. Das Magazin für 3D-Drucktechnologien“ stellte im Sommer 2015 zwei ambitionierte Industriedesign-Stu- denten der Philadelphia University vor. Diese hatten unter dem Projektnamen FOOTPRINT eine Fußbekleidung entwickelt, die „über 3D-Scan Prozesse, algorithmische Modelle und schlussendlich 3D-Druck-Technologie hergestellt werden soll“. Dreieinhalb Jahre später produzieren die beiden zwar keine maßgeschneiderten Schuhe, sie bieten jedoch online unter „Footprint 3D“ ihre Expertise für Hersteller an, die diese Lösungen dann umsetzen (können). Man darf gespannt sein, wie sich der Markt weiterentwickelt. Der Konkurrenzdruck der Branche scheint jedenfalls groß. Im April 2018 reklamierte das Unternehmen Nike die „‘world’s first‘ running shoes with 3D-printed uppers“ für sich, obwohl Adidas seinen „3D- Runner“ bereits 16 Monate zuvor präsentiert hatte und dieser ebenfalls einen 3D-gedruckten Oberschuh aufwies. Nike entwickelte den Laufschuh in Kooperation mit Marathonläufern und schuf mit der 3D-Druck-Produktionstechnik laut dem Magazin „dezeen“ „a tailor-made shoe“. Darüber hinaus, und das dürfte ein wesentlicher wirtschaftlicher Faktor sei , verzeichnete Nike Produktionszeiten „16 times quicker than in any previous manufacturing method“. Die Vision der Zukunft sieht folgendermaßen aus: Die Kundin oder der Kunde betritt ein Schuhgeschäft, lässt einen 3D-Scan der Füße anfertigen und aufgrund dieser Daten die maßgeschneiderten Schuhe herstellen, die er/sie am Folgetag im Geschäft abholen kann. Heute bestellt, morgen bereits abholbereit. Kurze Lieferzeiten, kurze Lieferwege, regionale Arbeitsp ätze – all das klingt durchaus vielversprechend. Einen Haken hat diese Vision jedoch. Nicht handgefertigte Maßschuhe aus feinstem Leder werden Kunde und Kundin nach Hause tragen, sondern zwar maß- gefertigte Schuhe, jedoch ganz oder teilweise aus Kunststoff. Da viele Laufschuhe auch heute bereits aus synthetischen Materialien bestehen, dürfte diese Tatsache im Sport- und Freizeitbereich keine wesentliche nachteilige Rolle spielen. Der Schuhhersteller ECCO setzt trotzdem auf ein anderes Konzept. Der untere Teil seiner Maßschuhe wird aus Kunststoff 3D-gedruckt, der Oberschuh ist nach wie vor aus Leder. Die Innensohle trägt die mittels 3D-Scan ermittelten kundenspezifischen Daten. Der Maßschuh für alle, eine Illusion? Eines scheint sicher: Der Maßschuh aus dem 3D-Drucker wird nie einen Budapester, Wiener, Pariser oder Englischen handgefertigten, rahmengenähten und maßgefertigten Schuh ersetzen können. Die feinen Lederklassiker mit vollmundigen Namen wie „Full-Brogue Oxford“, „Semi-Brogue Derby“ oder „Plain Monk“ werden ein gesellschaftliches Statement bleiben und weiterhin das sein, was sie sind: ein maßgefertigtes Privileg der Sonder- und Extraklasse, getreu dem Motto: „Schuhe machen Leute.“ In diesem Sinne: Es lebe der Maßschuh – für alle!

Mechthild Dubbi, Der Maßschuh ist tot? Es lebe der Maßschuh!, in: Helene Wagner und Jürgen Öhlinger (Hg.): ARBEIT & PRODUKTION_weiter_gedacht, Technisches Museum Wien, Wien 2019, S. 144-149.

Unter Europas feinen Manufakturen (2017)

Im Magazin Finest Manufacturers – Europas feine Manufakturen (Edition 03) wurden wir auf einer Doppelseite präsentiert. Wir bedanken uns herzlich dafür.

Finest Manufacturers, Cover"

Finest Manufacturers, Auszug

Finest Manufacturers, Ausschnitt"

Wien – Zeit für das Beste (2015)

Im Reiseführer „Wien – Zeit für das Beste“ (Hanta, Karin; Bruckmann 2015) werden wir als Einkaufstipp erwähnt. Vielen Dank dafür!

Wien – Zeit für das Beste, Cover"

Wien – Zeit für das Beste, Auszug

Die Erdbergstraße – Eine Straße voller Überraschungen (2015)

Auch wir wurden in der Ausstellung „Straßenleben Erdbergstraße“ Anfang 2015 gezeigt. Die Bilder sind weiterhin auf der unten genannten Website zu sehen.

Die Erdbergstraße – Eine Straße voller Überraschungen

Die ganze Woche – Rutschfest über Matsch und Schnee (2013)

Wie man auch bei Schnee und Eis sicher durch die Straßen gelangt, haben wir in diesem Artikel in „Die ganze Woche“ erklärt.

WIENER STYLE – Mann nach Mass (2012)

Der perfekte Auftritt: ZIB-Star Roman Rafreider zeigt, was Perfektion ausmacht.

"WIENER Frühjahr 2012, Cover"

"WIENER Frühjahr 2012, Seite 2"

"WIENER Frühjahr 2012, Seite 1"